Liebe Leser!

Erstmal wünsch ich euch allen ein gesundes, neues Jahr 2017, ein Jahr voller Zufriedenheit!

Ja, Zufriedenheit ist gerade in unserer deutschen Powergesellschaft, in der Kariere, Erfolg und Geld oft an erster Stelle steht, gar nicht so leicht. Da wird „zufrieden sein“ schnell mal an Materiellem gemessen.
Auf meiner Reise in den Norden durch die Dörfer Benins wird einem schnell bewusst, dass Zufriedenheit nicht am Besitz oder am Reichtum zu messen ist, sondern an den wirklich wichtigen Dingen…

zu 6. im 5-Sitzer 500km Sandstraße

zu sechst im 5- Sitzer auf 500km Sandstraße

Doch jetzt erstmal von vorne!
Am 2. Weihnachtsfeiertag machte ich mich also gemeinsam mit den anderen Volontären und unserem netten Guide Eulange auf den Weg in den Norden Benins.

Auf unserer Reise bekamen wir einen Einblick in das Leben auf den Dörfern, ich machte die erste Safarie meines Lebens, wir gingen Bergsteigen in den Beniner Alpen (So wurde es zumindest versprochen, war dann aber leider nicht mehr wie ein Zwergenhügel ;)).

Mich selbst hat vor allem die traditionelle Lebensweise auf den Dörfern, abgeschnitten von jeglicher Zivilisation, sehr beeindruckt. Deshalb möchte ich euch hier ein kleiner Einblick in ein typisch afrikanisches Dorf namens „Tanéka- Koko“ geben.

Das Dorf Tanéka- Koko ist eine kleine Haussiedlung zwischen Wäldern, Hügeln und Flüssen weit weg von Supermärkten, Autos und Straßen, weit weg von jeglicher Modernisierung. Um dort hinzukommen, folgt man zuerst einer 50 km langen, löchrigen Teerstraße und biegt anschließend in einen sandigen Schotterweg ein, der immer kleiner wird und schließlich zu der kleinen Häusersiedlung führt.

„Von was leben die Menschen hier“ war meine erste Frage an unseren Guide…

Sie ernähren sich ganz selbstständig. Die Arbeitsverteilung ist klassisch, die Männer gehen auf die Jagt, die Frauen kochen. Da es nur wenige Schulen gibt und diese meist zu weit weg sind, gehen die wenigsten Kinder hier zur Schule. Sie helfen, die Tiere zu hüten, im Haushalt oder beim Kochen.
Überlebensnotwendig ist für die Familie außerdem die Landwirtschaft. Reis, Bohnen, Gemüse und besonders die sog. Ignam- Wurzel (schmeckt ähnlich wie Kartoffel) ist hier sehr beliebt und wird auf vielen Feldern angebaut.

Kinder beim Früchte pilieren

Kinder beim Früchte pilieren

bei der Herstellung des sog. Tamaran- Saft

bei der Herstellung des sog. Tamaran- Saft

 Zu bewundern ist vor allem der Zusammenhalt innerhalb der Dorfbewohner. Hier geht es nicht darum, wer das größere Auto in der Garage hat oder wer die größte Kariere macht. Nein, hier geht es um die Gemeinschaft! Zur Erntezeit lädt man also all seine Freunde ein, die einem beim Ackern helfen. Als Dankeschön werden diese nach getaner Arbeit zum Essen eingeladen. Das nächste Mal hilft man dann selbst anderen, also ein großer Austausch.
So funktioniert es auch beim Hausbau, denn ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass es ganz schön viel Arbeit ist, ein Haus nur mit Handarbeit zu bauen. Der Hauptbestandteil der Wände ist Erde, welche zur längeren Haltbarkeit mit getrocknetem Kuhfladen vermischt wird. Das Ganze wird zu einer festen Masse gestampft, in Form gebracht und Stein für Stein aufeinander gesetzt. Also ganz schön mühsam, doch hilft das Dorf zusammen, geht das ganze schnell. Jeder hilft jedem.

beim Hausbau

beim Hausbau

die Grundlage steht schon

die Grundlage steht schon

 

 

Jeden Tag ist in einem anderen Dorf Markt, wo die Frauen ihre selbst hergestellten Produkte, wie zum Beispiel Säfte oder Cremes aus Früchten, oder ihre Ernte verkaufen. Doch die Dörfer liegen weit auseinander, sodass die Frauen um den Markt zu erreichen oft mehr als 15 km zu Fuß zurücklegen, um den Markt zu erreichen. In aller Früher machen sich die Mamas also mit ihrem Baby auf dem Rücken und den schweren Tabletts auf den Kopf auf den Weg und legen dabei in kurzer Zeit unglaubliche Strecken zurück.

Soviel dazu, doch was, wenn mal jemand krank wird?
Die Menschen hier leben weit weg von Abgasen, von schlechter Luft, von chemischen Fertigprodukten, von ungesunden oder künstlich hergestellten Lebensmittel, sie leben von dem, was die Natur ihnen gibt. Unser Guide erklärte uns, dass dies auch der Grund ist, warum die meisten Dorfbewohner hier sehr alt werden.
Ärzte gibt es in Taneka- Koko keine, geschweige denn ein Krankenhaus. Doch das Dorf weiß sich selbst zu helfen. Aus Holz und Rinde wird Tee gegen Malaria gekocht und besondere Blüten helfen gegen Baukrämpfe. Naturheilkunde steht hier an 1. Stelle und wenn man fest daran glaubt, dann hilft es ja bekanntlich auch!

„Achtung, die Weißen kommen!“
Natürlich waren wir 6 „Yovos“ (= Weiße) bei unserer Ankunft mit dem Auto die Attraktion schlecht hin! Das kommt ja schließlich auch nicht alle Tage vor. Um genau zu sein nie, denn das Dorf kennt fast keiner, schon gar nicht Touristen. Wir hatten das Glück, das Eulange, unser Reiseführer, Freunde in Tanéka- Koko hat, sonst hätten wir hier wohl nie hergefunden.
Zum Teil kam ich mir hier als Weiße ein bisschen vor wie ein Eindringling. Viele Dorfkinder haben noch nie helle Haut gesehen und liefen ängstlich vor mir weg, einige Mamas betrachteten uns mit Skepsis, andere ältere Dorfbewohner verbeugten sich vor uns, als wären wir ihre Kolonialherren.
Solche Reaktionen sind natürlich auch verständlich. Wenn ich mir vorstelle, dass in dem kleinen Dorf meiner Oma plötzlich ne Gruppe Inder mit ihrer Rikscha ankäm, würde sich jeder fragen: „Ja, was macht jetzt der da?“
Eulange, unser Reiseführer, hatte jedoch ein geschicktes Händchen dazu, die Sache aufzulockern und so bildete sich schon nach kurzer Zeit ein riesiges Getümmel voller Kinder, Mamas und ihren Babys und wir tanzten und sangen gemeinsam.

beim Tanzen mit den Dorfkindern

beim Tanzen mit den Dorfkindern

 

„Hallo Herr Dorfchef“
Eindrucksvoll war außerdem unser Besuch bei dem sog. „Dorf- Feticheur“.
Vorstellen kann man sich diesen wie einen Art Häuptling des Dorfes. Wenn es Unstimmigkeiten gibt, das Dorf von Unwetter oder Krankheiten bedroht wird oder Frauen unfruchtbar sind, so wird der „Chef Feticheur“ aufgesucht. Er vollzieht bestimmte Opferzeremonien und kann so den Dorffrieden wieder herstellen, Krankheiten heilen und alles zum Guten richten.
Dieser sog. „Fetich- Glaube“ ist hier im Norden in jedem Dorf zu finden und berut auf tiefer Verbundenheit mit der Natur. Deshalb darf der Feticheur auch keine Klamotten tragen (nur ein Lendenschutz ist erlaubt) und sich auch nachts nicht zudecken. Jeden Abend wird im von seiner Frau das Nationalgericht „Ignam pilée“ zubereitet.

Fotoshooting mit dem Herrn Feticheur

Taneka- Koko ist nur eines von vielen Dörfern, das mich auf meiner Reise sehr fasziniert hat. Und auch nur eines von vielen, dass zeigt, mit wie wenig man doch so zufrieden leben kann, wie wenig es braucht um glücklich zu sein!

Mehr über meinen Urlaub und vor allem über die Safari findet ihr in der Fotogalerie, denn Bilder sagen ja bekanntlich mehr wie viele Worte!

Ganz liebe Grüße ans winterliche Bayern,
Vroni