Wie ist Vietnam eigentlich so?

Mir ist aufgefallen, dass ich hier eigentlich noch nie richtig über Vietnam, die Menschen und mein Leben hier geschrieben habe. Ich hab mich davor bisher immer etwas gedrückt, da ich nie wusste, was genau ich schreiben soll. Jetzt dachte ich mir aber, dass es mal Zeit wird und habe mir überlegt das ganze in einem kleinen Vietnam-ABC zu machen:

A- wie Avocado: Hier in Bao Loc wachsen nehmen  Tee und Kaffee auch viele Avocados und da momentan Saison ist, sieht man überall am Straßenrad kleine Avocadostände. Und wir haben auch schon viele verschiedene Varianten probiert! Yummy!

B- steht für Bảo Lộc: meine kleine Stadt in den Bergen. Manchmal etwas verschlafen, aber dann gibt es doch immer neue Sachen zu entdecken! Es ist schön, wenn man vom Reisen zurück kommt und sich freut “wieder zu Hause” zu sein

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C- Cà phê sữa đá: In Vietnam gibt es eine große Kaffeekultur. Man trifft sich gerne und zu jeder Tages und Nachtzeit auf einen Kaffee. Ganz typisch ist der Cà phê sữa đá: Dies ist Kaffee mit einer sehr süßen und etwas gewöhnungsbedürftigen Kondenzmilch auf Eis. Wenn man sich einmal an die Milch gewöhnt hat, ist man süchtig! :)

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D- Doremon: Doremon ist eine Comicfigur, die alle Jugendlichen hier lieben. Die Comics werden heimlich in der Studyhall gelesen, man hat Schlafanzüge, Hefte, Stifte, Süßigkeiten, Sticker, etc. von Doremon. Es geht soweit, dass sich sogar ein Mädchen “Mon” nennt, als Zeichen ihrer Liebe für DoreMON!

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E-Elefant: Schon nach nur wenigen Wochen hier, war mein Spitzname klar, nämlich Elefant oder auch gerne Dinosaur, mittlerweile ist es aber gerne auch Nessy. Die Erklärung dazu ist recht simpel und wurde mir auch schon von einem Jungen auf die Hand geschrieben:

” Hey ihr! Mein Name ist Nessy. Weißt du warum? Weil ich ein gigantisches Gewicht habe!”

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Am Anfang musste man schon manchmal ganz schön schlucken, aber mittlerweile ist es ganz normal. Wenn man mich neben den kleinen und so schmal gebauten Vietnamesen und gerade Vietnamesinnen sieht, bin ich halt meistens zwei Köpfe größer und auch doppelt so breit. Außerdem ist es nie wirklich beleidigend oder verletztend gemeint, es ist eher so: “Hey, du hast einige Kilo zu viel auf den Hüften? Man sieht das ja auch voll, also warum sollte ich dir das nicht auch sagen dürfen?”

F- Frühlingsrollen: Sind mein absolutes Lieblingsessen hier. Chả giò gibt es einmal fritiert und einmal frisch und roh, beide sind total lecker!

G- Grillen: Ein Highlight ist auf jeden Fall immer das Grillen! Einmal im Monat und zu Feiern wird Gegrillt. Dazu baut man einen provisorischen Tischgrill aus einem Brennpastengestell und einer Metallplatte und schon wird drauf los gebruzelt!

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H- Hocker
Egal wo man hingeht, überall gibt es die blauen oder roten Hocker. Ob in der Schule, im “Restaurant”, in der Kirche oder am Streetfoodstand. Überall sitzt man auf den Plastikhockern. Am Anfang tat mir nach zwei Stunden Film schauen ganz schön der Hintern weh, aber mittlerweile ist das ganz normal und ich bin sogar ein klein wenig Stolz darauf, dass ich es nun schaffe im Schneidersitz darauf zu sitzen!

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- Hängematte
Findet man überall! Und man sieht auch oft in kleinen Läden an der Straße die Verkäufer darin schlafen. Am Anfang dachte ich mir oft; “Man die schlafen auch immer und überall!” Das hier die Menschen auch fast überall schlafen können stimmt, das liegt aber daran, dass man oft zwei oder drei Jobs hat und daher Nachts nicht viel schläft. Der Tag fängt immer gegen fünf Uhr an und viele Arbeiten bis in den späten Abend. Da ist es klar, dass man probiert jede Minute Schlaf irgendwie nachzuholen!

I- Insekten: Auch passen würde “IIIIIH!” Denn als ich das erste Mal die Hand große Spinne vor unserem Zimmer gesehen habe, war das meine Reaktion. Mittlerweile bin ich zwar immernoch froh mein Mosquitonetz zu haben, was mich vorallem vor Spinnen, Käfern oder der ein oder anderen Kackerlake schützt und nicht vor Mücken, aber die Jungen haben einen ganz gut abgehärtet. Denn immer wenn sie einen riesen Grashüpfer, kleine Schlange oder Gecko fangen, werden sie einem ganz Stolz und einem dicken Grinsen ins Gesicht gehalten.

J- Jiggo: So nennen Victoria und ich ganz gerne scherzhaft unsere Selfiemaster und Facebookkönige, denn sie sind top im Posen und Aufstylen!

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K- Karaoke: Manchmal ein Ohrenschmaus, manchmal ein Gedröhne, aber immer witzig! Auf jeder Straße hier gibt es eine Karaokebar und auf Festen darf das Mikro auch nicht fehlen! Dabei ist wichtig: Umso lauter, desto besser!

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L- Lächeln: Ich glaube, ich habe noch nie so viel gelächelt in meinem Leben wie hier. Aber man gewöhnt es sich total an, da man einfach von jedem angelächelt wird und man positiv auf die Menschen zu geht

M- “Một, hai, ba, dzô!”- dies waren meine ersten vietnamesischen Wörter und ist das vietnamesische Äquivalent zu “Prost!”. Man feiert hier gerne und oft, dabei ist es eigentlich egal ob man mit Pepsi oder Bia Saigon anstößt, hauptsache man hat Spaß!

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N- Nase: Meine Nase ist immer noch total faszinierend, denn sie ist einfach soooo groß! Und vorallem kann man sie so gut flippen!

O- Obst: Drachenfrucht, Banane, Mango, Maracuja, Wassermelone und vieles mehr gibt es das ganze Jahr über und sind unglaublich lecker. Ich habe so viele neue Früchte kennengelernt, die alle so lecker sind! Außer vielleicht Durian, eine Frucht, die bis auf 20 Meter riecht (oder besser stinkt) und auch so schmeckt: Aber da teilen sich auch die Vietnamesen in zwei Lager: Man hasst sie oder man liebt sie.. Na ja, ich gehöre da eher zum ersten Lager.

auf dem Markt in Saigon

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P- Privatsphäre: gibt es hier fast garnicht. Da man eigentlich immer mit mehreren in einem Zimmer schläft und fast keiner ein eigenes Zimmer zu Hause hat, legt man hier kaum wert auf Privatsphäre und es ist auch ganz normal ganz offensichtlich durchs offene Fenster zu schauen. Naja, so weiß halt immer jeder wie unordentlich unser Zimmer ist!

Q- Quang: ist ein typisch vietnamesischer Name, der aber so schwer auszusprechen ist, dass ich es bis heute nicht richtig hinkriege..

R- Reis: Gibt es zweimal am Tag, sieben Tage die Woche und zum Frühstück gibt es Reisnudelsuppe (Pho). Und auch sonst gibt es so viele unterschiedliche Arten Reis zu verarbeiten. Mein absolutes Highlight ist das Reispapier. Die Reste von dem Reispapier, was man nicht für Frühlingsrollen etc. braucht, wird in Tütchen abgepackt und mit Öl, scharfem Gewürz und einer Zitrone vermischt und als Snack gegessen! Unglaublich lecker!

- Regenzeit: Die Regenzeit ist bei uns in den Bergen gefühlt immer, aber offiziell von März bis November. Wenn es regnet ist die Stadt wie ausgestorben, denn dann ruht alles. Dies liegt aber auch daran, dass wenn es regnet, dann schüttet es wie aus Eimern und man ist in Sekunden klitsch nass.

S- Same, same – but different: Ist die Beschreibung von fast allem.
“Grillen wir an Weihnachten wie am Autumnfestival?” – “Yes, yes. Same, same…. But different!”

T- Tee: Grüner Tee ist absolut der beste! Und es riecht immer so gut, wenn die Bauern hier abends den grünen Tee trocknen und verarbeiten! Vorallem mit Eis ist der Grüne Tee total erfrischend und lecker

-Tanzen
Unsere Jungen lieben es zu tanzen. Meistens tanzt einer vor und die anderen tanzen nach, also so ungefähr das gleiche.. oder irgendwas anderes!

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U- Uiuiuiuiuiuiuii!: Wenn Victoria und ich Deutsch miteinander reden, sorgt das immer für viel Gelächter, da es sich wie “Rappen” anhören würde. Als wir einmal chinesisches Schach gespielt haben, rutschte mir ein “Uiuiuiui!” raus. Das fanden sie natürlich total komisch und seitdem werde ich so gerufen!

V- Vietnamesisch: Ist die schwierigste Sprache der Welt. Zumindest gefühlt! Das liegt daran, dass man fünf verschiedene Tonlagen hat und verschiedende Tonarten. So gibt es drei verschiedene A’s: a, ă, â. Und zum Beispiel beim Wort “ma”, kann man durch die Aussprache fünf verschiedene Worte bilden:

Was Gespenst , Wange  oder Mutter, aber, Reissetzling,Grab und Pferd bedeuten kann und für die einfache Buchstabenkombination “Ma” gibt es so fünfzehn verschiedene Arten der Aussprache.

- Victoria: Meine herzallerliebste Mitvolontärin! Ein bisschen wurde ich dazu gezwungen sie mit in das ABC aufzunehmen, aber auch so hat sie einen ganz wichtigen Platz in meinem Vietnamjahr, denn ohne sie wäre ich oft ganz schön aufgeschmissen gewesen!

W- Währung: Ein Euro sind 24.000 vietnamesische Dong, also sind 40 Euro eine Millionen Dong. Das heißt ich bin momentan Millionär! Die Scheine sind aber ziemlich schön und auf jedem einzelnen ist natürlich Ho Chi Minh zu sehen!

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X- Xeo, also Banh Xeo: Sind vietnamesische Pfannekuchen, einfach voll lecker!

Y- Yêu, Yêu, Yêu: Es gibt ein Lied, das so heißt (Liebe, Liebe, Liebe) und ich seit Wochen einen Ohrwurm von habe. Die Musik hier ist aber ziemlich cool, bloß oft unmöglich für mich mit zusingen

Z- Zeit: Ist hier immer so eine Sache, mal ist es ganz wichtig pünktlich zu sein und mal total egal. Mittlerweile haben wir das ganz gut raus, aber manchmal sind wir immernoch viel zu früh und manchmal viel zu spät!

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Soooo, das war mein Vietnam-ABC! Ich hoffe ihr habt einen Einblick in das Leben hier bekommen!