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Jun 13

The best view, comes after the hardest climb

Hallo Leute,

in Timor haben wir zwei große Berge. Einmal den Matebien im Osten, den ich zusammen mit der Truppe vom MJS (der Jugendgruppe der Salesianer) im letzten Oktober bestiegen habe. Der andere und etwas höhere Berg ist der Ramelau im Westen.
Diesen Berg zu besteigen machten Cornelius und ich uns anfang Juni auf.
Freitag morgen machte ich mich auf den Weg nach Gai-riri, also an die “Hauptstraße” in der Nähe von Fatumaca, um mit einem Microlet nach Baucau zu fahren. Auf dem Weg kam ein Motorroller vorbei, der mir prompt anbot, mich bis nach Gai-riri zu fahren. Als wir feststellten, dass wir beide nach Baucau wollten, nahm er mich direkt den ganzen Weg mit:D
Als ich sagte, dass ich aus Deutschland käme, antwortete er, er kenne auch einen Deutschen, der in seiner Schule arbeitet. In Timor bekommt man manchmal das Gefühl, dass man alle Deutschen im Land kennt, denn der Deutsche, den mein neuer Freund kannte, war Cornelius :D
In Baucau traf ich dann Cornelius und zusammen ging es mit dem Bus nach Dili.

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Während dieser Fahrt hatten wir noch keine Ahnung, wie wir überhaupt zum Ramelau kommen sollten. Nach Dili war aber der erste Schritt und wir blieben diesem Volontär-Motto auch bis zum Ende treu: Einen Schritt nach dem anderen.
Nachmittags in Dili angekommen, fingen wir an, den nächsten Schritt der Reise zu planen.
Man könnte ein Auto mieten oder einen Motorroller, man könnte einen Bus nehmen oder eine Angguna (dazu später mehr). Die Idee mit dem Auto verwarfen wir, weil es sehr teuer ist, ein Auto zu mieten und wir den Weg nicht kannten. Die Idee mit dem Motorroller verwarfen wir, weil man schon fast ein richtiges Motorrad benötigt hätte und keiner von uns wusste, wie man dieses fährt und wir immer noch keine Ahnung vom Weg hatten. Das ließ dann nur noch Bus oder Angguna als Möglichkeiten.

Wir entschieden uns für letzteres

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Eine Angguna ist eigentlich nur ein großer Truck, in den jemand Bänke gestellt hat. Mit dieser Angguna kamen wir dann bis nach Maubisse, was etwas südlich von Dili in den Bergen liegt. Von dort aus ist es aber noch verdammt weit bis zum Raumelau. Doch wir hatten Glück und fanden in Maubisse eine zweite Angguna, die uns direkt zum Bergdorf am Ramelau fahren sollte. Auf dem Weg stellte sich leider heraus, dass sie doch eine andere Strecke nahm, sodass Cornelius und ich etwas früher aussteigen mussten.
Aufgrund von Regen, Nebel und einer furchtbaren Kälte zogen wir uns immer mehr Schichten Kleidung an. Die abtrennbaren Hosenbeine von Cornelius faszinierten eine Gruppe von Timoresen sehr, als Cornelius aus seiner kurzen eine lange Hose machte:D
Wir machten uns also auf den Weg, doch obwohl wir keine Ahnung hatten, wie weit es war, oder wo genau der Ramelau lag, konnten wir uns nicht beklagen, da wir die unglaubliche Aussicht der timoresischen Berge vor uns hatten.

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Man konnte bestimmt gute 5 Meter weit sehen!:D
Nachdem wir so ungefähr eine Stunde durch den Nebel gewandert sind, kam ein Auto vorbei und wir sahen unsere Chance. Wir hielten das Auto an, eine Gruppe, die mit Ärzten ohne Grenzen in Dili arbeitet, und bekamen einen Lift angeboten.
Die Gruppe bestehend aus drei Engländern, einem Australier, einer Amerikanerin und einem Mann aus Hong Kong fuhr dann, um zwei Deutsche reicher, weiter.
So schafften wir es dann bis an den Fuß vom Ramelau, wo sich unsere Wege trennten.
Während die Truppe in der Pussada, einer Art Jugendherberge, einkehrte, machten Cornelius und ich uns auf den Weg zur Bergspitze, wo wir dann bis zum Sonnenaufgang schlafen wollten. Eine genilale Idee:D
Nach einer Stunde Wanderung hatten wir das Tor erreicht, das den Beginn des Weges zum Raelau anzeigte.

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Dort bekamen wir den besten Tipp, wie wir von dort aus den Weg finden würden. “Wenn ihr an eine Wegkreuzung kommt, geht niemals nach links. Immer nach rechts”
Wir nahmen uns natürlich fest vor, uns daran zu halten. Leider kamen wir dann nach etwa 5 Minuten an die erste Wegkreuzung. Die Treppe führte nach links. Nach rechts führte eine Art Trampelpfad, der sich schnell im nichts zu verlaufen schien:D
Also ging es wieder zurück, um auf Nummer sicher zu gehen, dass wir nach rechts gehen mussten.
Es stellte sich heraus, dass wir einfach der Treppe folgen sollten:D
Von da an ging es dann gute zwei Stunden den Berg rauf, bis wir dann auf guten 2700 Metern erste Anzeichen davon sahen, dass wir fast da waren.

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Eine Kapelle, die wie ein Uma-Lulik, ein heiliges Haus, aufgebaut war. Dort trafen wir eine Gruppe von Timorese, die ebenfalls auf der Spitze übernachten wollte.
Die Nacht verbrachten wir alle zusammen im Uma-Lulik. Da es verdammt kalt war, machten wir ein Feuer und lernten uns ein wenig kennen. Es stellte sich heraus, dass einer der Timoresen einen deutschen kannte, der vor einigen Jahren in Venilale gelebt hat. Da es nur so ein, zwei Duzend Deutsche zu geben scheint, die mal in Timor waren, fragte ich, ob es mein Vorgänger von Don Bosco Volonteers Jacob gewesen sein könnte.
Es war Jacob:D
Da gegen 2 Uhr Nachts dann noch mal fast 30 Timoresen ankamen, wurde aus Schlaf nicht so wirklich was. Cornelius und ich hatten schon unser Zelt, die Hängematte und den Schlafsack an Timoresen verteilt, die noch ein wenig schlaf finden wollten. Als wir dann noch anfingen unseren Proviant, Brot, Tunfisch, Honig und Chilisoße zu verteilen begannen, wurde es eine richtige Party:D

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Gegen 5 Uhr morgens ging es dann auf die Spitze für den Sonnenaufgang. Dafür klarte es dann sogar etwas auf.

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Das Schild “The best view comes after the hardest climb” war dann eines der Highlights auf der Tour:D
Auf der Spitze trafen wir dann auch die Ärzte ohne Grenzen-Truppe vom Vortag wieder, die uns anboten, uns bis nach Dili mitzunehmen.
Nachdem wir die letzten Reste unseres Proviantes mit ihnen zum Frühstück geteilt hatten, ging es auf eine mehrstündige Autofahrt wieder nach Dili.
Unser Plan, laufen, bis jemand vorbeikommt, der uns mitnimmt, ist also komplett aufgegangne:D
Von Dili fanden wir dann sogar noch einen Bus, der bis nach Viqueque fuhr, sodass er zuerst Cornelius in Baucau und nachherm ich in Fatumaca rausschmeißen konnte.
Nachdem wir 40 Stunden auf den Beinen waren und uns nur von Brot, Tunfisch, Honig und Beng Beng (einer Art indonesisches Snicker :D ) ernährt hatten, waren wir vollkommen erschöpft wieder zu Hause.
Wir hatten zwar so gut wie nichts im voraus geplant, aber wir haben es auf den Ramelau und wieder zurück geschafft und uns beide eine leichte Erkältung eingefangen:D

Mehr gibt es dann auch gar nicht mehr zu erzählen.
Ich melde mich dann in zwei Wochen wieder aus Timor,
Gruß an alle,
Euer Simon:)

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