Meine Rundreise durch Bolivien

Nun, nach über einem halben Jahr Aufenthalt in dem südamerikanischem Bolivien, stand meine erste größere Landeserkundung bevor. Zusammen mit meiner Mutter und meiner Schwester, die mich für zwei Wochen besuchen kamen, wollte ich mal ein bisschen über die Grenzen der Großstadt Santa Cruz hinausschauen. Auf meiner Liste standen der Lago Titicaca, die einzigartige Salzwüste Salar de Uyuni mitsamt seinem Nationalpark und natürlich meine große Bolivienliebe Samaipata.

Unser erstes Ziel sollte der höchstgelegene,kommerziell beschiffbare See der Welt sein: Der Titicacasee, mit seinem wundervollen, außergewöhnlichen Namen. Um dorthin zu gelangen, mussten wir zuerst nach La Paz und von dort aus mit einem Kleinbus in die Hafenstadt Copacabana. Der Weg dorthin war, naja, nicht unbedingt komfortabel. Meine Mutter hat ihn schön treffend als „mögliche Geburtseinleitungsstrecke“ bezeichnet. Alle fünf Meter wurden wir, auf Grund von Unebenheiten auf der Straße, von unseren Sitzen in die Luft geschleudert. Die Landung auf den fast bis gar nicht gepolsterten Sitzen machte unseren Hintern und Steißbeinen sehr zu schaffen. Nach einer, nicht nur holprigen, sondern auch sehr kurvigen Fahrt, kamen wir schließlich in einem kleinen Dörfchen an. Sowohl meine Mutter, als auch meine Schwester und ich waren erleichtert, dass die Geburtseinleitungsstrecke endlich sein Ende nahm und wir an unserem Zielort angekommen sind. Allerdings hat es uns dann doch sehr gewundert als unser Chauffeur unser Gepäck nicht rausrücken wollte, unser Bus auf eine sehr provisorisch aussehende Holzfähre gefahren wurde und wir in Richtung einer Personenfähre geschickt wurden. Zu früh gefreut, wir hatten erst die Hälfte der Stecke hinter uns.. Nach insgesamt drei Stunden Horrorfahrt kamen wir im kleinen Hafendörfchen Copacabana an. Da wir im Voraus nicht gebucht haben, durften wir uns erstmal eine Unterkunft suchen. Für alle Bolivienreisenden empfehle ich vielleicht nicht unbedingt im Voraus zu buchen, aber sich wenigstens über halbwegs bewohnbare Unterkünfte zu informieren, sonst landet ihr in so einer Absteige wie wir. Unser Hostel war weder schön, noch sauber oder bequem. Als wir nach einer Gemeinschaftsküche gefragt haben, wurden wir in den Garten geführt und uns wurde ein riesiger schmutziger Rosthaufen als Küche vorgestellt. Wie ihr euch vorstellen könnt, haben wir es sowohl vermieden zu kochen, als auch zu viel Zeit in diesem Hostel zu verbringen. So haben wir lieber das kleine Dörfchen erkundet. Was ich zu Copacabana sagen kann: Es ist ein wirklich süßes, kleines Dörfchen, geprägt von dem dort stark ausgeprägten Backpackertourismus. Normalerweise halte ich es nicht lange in touristischen Gegenden aus, auch wenn ich selbst Tourist bin. Jedoch muss ich sagen, dass ich es gar nicht als so schlimm empfunden habe, denn dadurch bekommt das Dorf erst richtig Farbe und Leben. Überall streifen Individualreisende mit ihren Rucksäcken rum. Man trifft jede Menge Leute aus allen möglichen Teilen der Welt. Man kommt sehr leicht ins Gespräch, lernt viele neue Leute kennen und hört die interessantesten Geschichten.

Copacabana..

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..mit seinem Hafen

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Am nächsten Tag ging es dann weiter, mit unseren Koffern und Rucksäcken, auf die Isla del Sol, die Sonneninsel. Laut den Mythen der Inka wurden dort die Kinderdes Sonnengottes Intidort zur Erde gelassen. Unser Transportmittel: eine kleine Fähre. Fahrtzeit: zwei Stunden. Nicht geeignet für: Personen mit empfindlichen Magen, sprich nicht geeignet für meine Familie. Im Vergleich zu dieser Strecke war die Fahrt nach Copacabana das reinste Vergnügen. Höchst konzentriert versuchten wir drei nicht unseren kompletten Mageninhalt vor den anderen Passagieren zu entleeren. Schwieriger gesagt als getan. So hat meine Mutter an diesem Tag nicht nur einmal die Fische gefüttert. Angekommen auf der Insel kündigte sich auch schon das nächste Problem an: Um das Dorf mit seinen Unterkünften zu erreichen, musste man einen steilen Berg mit, in meinen Augen, sehr hässlichen und fiesen Treppenstufen bewältigen. Bei diesem schnauft man schon beim normalen Hochsteigen und wir mit unseren zwei Koffern und zwei Rucksäcken waren komplett aufgeschmissen. Zum Glück hat uns dann ein Mann vom Hostel geholfen, sonst wären wir wahrscheinlich noch auf der Strecke zu Grunde gegangen. Im Hostel angekommen waren wir zunächst überwältigt von der Aussicht. Man konnte so weit schauen und der Lago Titicaca erstreckte sich am Fuß der Insel wie wunderschönes, blaues, frisches, mediterranes Meer. Es ließ uns sofort die ganzen Unannehmlichkeiten der Reise vergessen. Einziger Nachteil: Die Spüle der Toilette funktionierte nicht. Jedoch war in unseren Augen dieses Hostel ein einziger Luxus. Mit neuer Energie wollten wir als nächstes die Sonneninsel mit seinem Inkatempel erkunden und machten so einen kleinen Spaziergang über die Insel. Diese erstrahlte in allen möglichen Farben der Natur. Überall sprossen bunte Blumen und Pflanzen aus der Erde, Kakteenpflanzen und Steinbuchten zierten das Bild zusätzlich. Es erinnerte mich sehr an das wunderschöne CinqueTerre in Italien. Nicht nur der Anblick war atemberaubend schön, auch die süßen, intensiven Düfte der Pflanzen machten den Spaziergang zu einem Erlebnis aller Sinne. Auf dem Weg begegneten uns immer wieder Esel, Lamas, Alpakas und Schweine. Durch den auf der Haut bitzelnden Sonnenschein fühlte man sich tatsächlich wie in eine mediterrane Küstenlandschaft versetzt. Das Dorf dagegen war sehr ursprünglich. Jeglicher Fortschritt schien noch weit von der Inselsiedlung entfernt zu sein. Es hatte einen ganz besonderen Charme. Alle schienen langsam, ohne jegliche Hektik, ihr Leben vor sich hinzuleben und es mit den kleinen Freuden des Lebens zu genießen. Wenn ich mich davor in der Natur und Landschaft nach Italien versetzt gefühlt habe, hatte ich nun das Gefühl mitten in einem der Filme „Die Kinder von Bullerbü“ zu sein, denn genau so eine Gemütlichkeit strahlte die Siedlung aus. Wenige Häuser, liebevolle Einwohner, kein Überdruss an Medien, die das soziale Leben zerstören konnten. Es war wundervoll, richtig entspannt. Dort konnte man all seine Sorgen los lassen, weit weg schicken und nur den Augenblick genießen.

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Das sollte aber noch lang nicht alles von unserer Reise gewesen sein, denn als nächstes wollten wir uns auf eine drei-Tages-Reise durch die weltweit größte Salzwüste machen: Den Salar de Uyuni. Mit einem Nachtbus, ausgestattet mit dicken Decken und Schlaftabletten, machten wir uns auf die lange Fahrt nach Uyuni. Dort angekommen, um 5 Uhr frühs, mussten wir noch die Zeit bis zum Start unserer Tour rumbringen. Nachdem wir uns dann im einzigen geöffneten Cafe aufgewärmt (es war a…kalt), gewaschen, und umgezogen hatten, ging es endlich los, in einem Toyota-Jeep, mit drei weiteren Mitreisenden und dem Fahrer. Wir alle waren aufgeregt wie kleine Kinder vor ihrem ersten Schultag, wollten wissen ob die Erzählungen, Beschreibungen und Vergöttlichungen des Salars wirklich zutrafen.

Unser Frischmachprogramm:

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Unser erster Stopp auf der Tour war der Eisenbahnfriedhof. Eine riesige Ansammlung an altertümlichen, nicht mehr funktionstüchtigen Eisenbahnen, Lokomotiven und Waggons. Es war nicht nur spannend zum Anschauen und Bestaunen, sondern auch ein richtiges Kletterparadies. Zusammen mit meiner Schwester sind wir auf den Lokomotiven rumgeklettert und kamen uns vor wie kleine Kinder auf Erkundungstour.

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Daraufhin ging es dann weiter in die Salzwüste.. Und hier gibt es kein Wort, welches den Salar beschreiben kann. Es war atemberaubend, riesig, gewaltig, gigantisch, wunderschön, eine unheimliche Weite und Leere, überwältigend.. Es war..nicht in Worte zu fassen. In dieser unglaublichen strahlendweißen Weite kam man sich so klein vor und alle Probleme waren plötzlich unbedeutend. Überall wo man hinschaute: Weiß, weiß und weiß. Die Jeeps, die durch die Wüste kurvten sahen so verloren in der Weite aus. Nachdem wir uns von diesem überwältigenden Anblick erholt hatten, machten wir uns natürlich auch auf die typischen Perspektivenbilder des Salars zu machen. Dies war ganz witzig, da es schwerer ist als gedacht, die richtige Weite und Position zu bestimmen.

Eine weiße Weite

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Gegen Abend kamen wir dann noch an einer Insel mitten im Salar vorbei, die geprägt durch uralte Kakteen ist.

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Den Sonnenuntergang beobachteten wir auf der weiten Salzwüste, mit einer Berglandschaft als Panorama. Immer mehr wurde der Boden mit Wasser, die Folge von starkem Regen in Peru, überschwemmt und es gab eine wahnsinnige Spiegelung. Unsere ganze Gruppe beobachtete andächtig dieses Naturspektakel, wie sich die Berge, Wolken und die Himmelgestirne in der Schicht aus Regenwasser spiegelten. Der Himmel färbte sich zuerst in ein zartrosa und hellblau, später in ein kräftiges gelb-orange bis hin zur dunkelblauen Dunkelheit. Nachdem die Sonne komplett hinter den Bergen verschwunden war, machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Hostel, einem Haus vollständig gebaut aus Salz. Selbst die Betten und Tische waren Salzskulpturen. Dort verbrachten wir eine überraschend warme Nacht unter knapp sieben Bettdecken.

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Am nächsten Tag ging es aus der Salzwüste hinaus und es standen die verschiedensten Landschaftsbilder auf unserem Reiseplan. So haben wir innerhalb nur einen Tages eine impressive Gerölllandschaft, saftig grüne Steppe geschmückt mit den süßesten Lamas, eine saharagleiche Wüstenlandschaft, verschieden farbene Lagunen und ein verlassenes kleines Dörfchen erkundet. Es hat sich teilweise alles so unwirklich angefühlt. Normalerweise sieht man solche Landschaften vielleicht in einer Naturdoku im Fernsehen, aber dass es so etwas tatsächlich in reallife gibt, es sogar noch viel gewaltiger wirkt als auf Bildern und dass ich genau in so einer Szenerie gestanden habe, es kam mir vor wie in einem Traum. Es war der Hammer.

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Er wollte unser Essen klauen..

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Llamita

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Die rote Lagune:

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Am Abend kamen wir dann erschöpft in unserer zweiten Unterkunft an, welche etwas weniger komfortabel war als unsere erste. Das Wasser war so kalt, dass man beim Händewaschen Angst haben musste, dass sich die Finger jeden Augenblick in Eiszapfen verwandeln. Jedoch war leider nicht nur das Wasser unmenschlich kalt, nein,das gesamte Gebäude war es, da es weder so etwas wie Heizung, noch eine gute Dämmung jemals gesehen hatte. Wir schliefen unter knapp sechs Decken mit Handschuhen, Schal, drei Schichten Thermoklamotten, Winterjacke und, wer hatte, auch mit Mütze. Und trotzdem sind wir halb erfroren. (Angeblich soll es minus 14 Grad kalt gewesen sein)

So in etwa haben wir geschlafen:

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In den letzten Tag starteten wir dementsprechend durchgefroren. Auf dem Programm standen die warmen Geysire, heiße Quellen, die Grenze nach Chile und komplette Rückfahrt nach Uyuni. Nun, die Geysire sind mit Sicherheit ein wahres Naturspektakel, jedoch verströmten sie das dezente Aroma verfaulter Eier, weshalb sie mich nicht so ganz begeistern konnten. Und den Rest der Fahrt haben wir hauptsächlich in unserem sicheren, warmen Jeep verbracht, um nicht doch noch an einem Kältetod dahinzuscheiden. Wir waren wohl die verfrorenste Gruppe, die unser Fahrer je zu Gesicht bekommen hat. Trotz den Unannehmlichkeiten des letzten Tages war es eine unglaubliche Tour. Es wird ein Erlebnis sein, welches ich nie in meinem Leben vergessen werde.

Die Geysire

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Unser letzter Trip sollte nach Samaipata gehen, ein Dorf an das ich mein Herz verloren habe (ACHTUNG: Kitschalarm!). Nun, im Voraus hab ich meine Mutter und meine Schwester schon immer mit meinen Rumschwärmereien über dieses Hippiestädtchen zu Tode genervt und ich glaub sie haben mich für verrückt gehalten. Jedoch, nach unserem Aufenthalt dort, haben sie sich schon Pläne zusammen geschmiedet, wann sie nach Samaipata ziehen, wen und was sie mitnehmen und welcher Tätigkeit sie dort nachgehen wollen. Nun ist eine komplette Familienumsiedlung nach Samaipata geplant und zusätzlich eine Café-Eröffnung dort. Damit möchte ich nur beweisen, dass ich mit Samaipata wirklich nicht übertreibe. Es hat einfach einen ganz besonderen Charme, dem nicht nur ich unterliege. Natürlich haben wir in Samaipata die Cuevas mit dem Mototaxi besucht, sind durch Zufall in einen wunderschönen Ostermarkt mit außergewöhnlichenSchmuckstücken geraten und haben eine Tour in den Nationalpark Amboro unternommen.

Unser verwucherter Campingplatz:

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Der Ostermarkt:

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Im Amboro-Nationalpark:

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Man sollte nie mit weißen Schuhen in den Amboro!!

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Insgesamt war es ein wunderschöner Urlaub, man hat so viel in kürzester Zeit erlebt und gesehen. Ich kann nur jedem empfehlen: Kommt nach Bolivien und lasst euch von der atemberaubenden Natur verzaubern!! Und die Reisekosten sind auch noch relativ gering. Also kommt alle nach Bolivien ;)

Jana Stark 2. Juni 2017 Uncategorized Keine Kommentare Kommentare RSS

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